Heute ist Freitag. Und natürlich machen wir mit beim inflationären Zurückblicken. Bei uns heißt es aber nicht „Menschen 2011“, sondern „Medien 2011“. Was hat uns bewegt, was waren unsere Highlights in der großen, weiten Medienwelt? Wir haben diskutiert und eine nicht repräsentative, absolut persönliche Top-Ten-Liste zusammengestellt. Heute Platz 10 bis 6, nächsten Freitag der Rest.
Platz 10: Das Aus des Jahres
Nichts ist für die Ewigkeit. Zumindest in der „alten Medienwelt“ war es der Hammer schlechthin: Nach 168 Jahren verkündet Rupert Murdoch am 8. Juli das Ende von „News of the world“. Journalisten des Blattes hatten in der Vergangenheit offenbar mehr als 4.000 Menschen abgehört, von Promis wie Siena Miller bis hin zu Witwen gefallener Soldaten oder Opfern von Anschlägen. Das Aus des Jahres ist zugleich der Medienskandal des Jahres.
Platz 9: Das Vergnügen des Jahres
Jede Woche eine neue App, jede Woche ein neuer Internet-Dienst, stündlich neue, skurrile, lustige, abgefahrene Clips auf youtube oder vimeo. Aber diese Flut des Neuen beeindruckt uns wenig. Oft sehen wir nur eine große Welle, wir staunen, und dann verliert sich eine nach der anderen im Meer. Viel mehr staunen wir über eine stetig wachsende Vielfalt im Magazinsegment, über unzählige unabhängige Projekte, viele davon im Mode-, Kultur-, Musik oder Lifestylesegment. Darunter auch zahlreiche beachtliche lokale Magazine, die den klassischen Lokaljournalismus verdammt alt aussehen lassen. Stellvertretend für diese vielen Vergnügen verweisen wir aus Lokalpatriotismus auf ef — ehrenfelder Magazin, Köln.
Platz 8: Die Erkenntnis des Jahres
Wir geben es ja zu, so neu ist die Erkenntnis nicht: Das Internet und die sozialen Medien schaffen eine Transparenz, die die Gesellschaft und die Beziehungen verändern. Zum Beispiel zwischen Politik und Bürgern oder zwischen Unternehmen und Kunden. Schlecker hat das erlebt mit einem Sturm der Entrüstung im Netz, nachdem das Haus die eigenen Kunden als tendenziell ungebildet einstufte. Und Karl-Theodor zu Guttenberg hat es erlebt, als sich im Netz eine Schar von Doktorvätern versammelte, die seine Promotionsarbeit Wort für Wort durchforstete. Es sind nur zwei von vielen Beispielen. Sie zeigen: Bei allem Mist, der verbreitet wird – diese neue Medienwelt trägt auch zur Erziehung der Gesellschaft bei.
Platz 7: Das Ende des Jahres
Tschö „Wetten, dass …?“ . Es reicht dann auch.
Platz 6: Der Relaunch des Jahres
Daran scheiden sich die Geister, aber wir finden das neue FAZ.NET stark. Es ist nicht eigenständig, es ist nicht revolutionär, es enthält nicht eine einzige wegweisende Idee für Online-Medien. Aber es ist perfekt im Bestreben, einer Qualitätszeitung ein Online-Pendant zu geben. Der häufigste Vorwurf lautet: Das neue FAZ.NET ist eine Print-Kopie. Das stimmt, aber die ist einfach super gelungen.
Die Plätze 5 bis 1 folgen am nächsten Freitag (16.12.2011).